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Lesezeit ca. 7 Minuten
Graupner Micro 47G - Koaxialheli
Geschrieben von xels am Dienstag, 24. April 2007

Momentan zieht der Microheli-Hype seine Kreise, und so hat es auch mich erwischt, einen absoluten Flugneuling.
Bisher waren Modellhubschrauber wegen des Preises und der notwendigen Flugerfahrung ein unerreichbares Ziel. Durch die in letzter Zeit in Mode gekommenen Microhelikopter wurde diese Hemmschwelle deutlich reduziert.
Flugfertige Haubschrauber um unter 200 Euro, welche ein kinderleichtes Fliegen ermöglichen sollen werden versprochen, und es stimmt.
Hier also einen auführlichen Bericht über Graupner's Micro 47G, und meine (Erstflug)-Erfahrungen damit.

Die Versionen:
Den Graupner 47G gibt es momentan als alte Version (V05) und auch als überarbeitete Version (V06).


In der neuen Version ist die Kabinenhaube in einem Stück und der Motor und die Taumelscheibe sind anders angeordnet, was eine geringfügig bessere Flugeigenschaft ermöglichen soll.
Weiters ist die Mechanik der Version 06 auch in der hübscheren Jetranger "Verpackung" zu haben.
Da der "alte" aber doch um etwa 50 Euro weniger (130,00) als die Version 06 zu haben war, entschied ich mich für den Günstigeren.

Der Inhalt:
In der Schachtel findet man alles was man zum Fliegen benötig. RTF stimmt also (fast) Ready-to-fly.
Die einzige Montage die notwendig ist, ist die Stabilisierungsstange am obersten Rotorkopf und den Akku laden, und diesen dann entweder mit dem beiliegenden Klettband und/oder ebenfalls beiliegenden Gummi fixieren.
Hubschrauber, Sender, LiPo Akku 800 mAh, Netzteil, Ladegerät (auch für 12V) und 2 Paar Ersatzrotoblätter, und 8 Senderbatterien.
Einziges, vielleicht nicht alltägliches Werkzeug welches man benötigt, ist ein winziger Kreuzschraubendreher.
Er wird vor dem Erstflug für die Stabilisierungsstange benötigt und wahrscheinleich auch später wenn man den Hubschrauber nach fehlgeleiteten Flugakrobatiken zu Boden geworfen hat.
Und zuletzt noch einen winzigen flachen Schraubendreher für das Trimmpoti am Empfänger.

Sender:
Beim Sender handelt es sich um einen 4 Kanal Fernsteuerung. Der Quarz kann gewechselt werden, übrigens auch am Empfänger.
An der Aussenseite kann jeder Kanal auf Reverse umgestellt werden, und innen kann man mit weiteren Schaltern
den Modus 1-4 einstellen.

Anleitung:
Sie ist vielleicht etwas kurz, aber dennoch werden alle notwendigen Dinge ausreichend gut beschrieben und wenn alles nach Anleitung durchgeführt wird benötigt man eigentlich nur ein wenig Geschick für das Fliegen.
Einzig das Trimmpoti am Empfänger mit der Bezeichnung "Gain" wird nur erwähnt aber nicht genau beschrieben.

Funktionsweise und Technik:
Die sogenannte "4 in 1" Elektronik steuert alles, sie ist Empfänger, Motorsteuerung, Gyro und Mischer in einem.
Um das Drehmoment auszugleichen treiben zwei Motoren jeweils einen Rotor gegenläufig an, einer mit einer äusseren Welle (Rohr) der andere mit einer dünnen Welle innerhalb der äusseren Welle -> Koaxial.
Die Drehzahlsteuerung der beiden Motoren wird mit Hilfe eines Gyrosensors balanciert, dadurch kann sich der Hubschrauber nicht unkontrolliert drehen.
Der oberer Rotor wird mit Hilfe der Stabilisierungsstange stabilisiert, genau nach dem selben Prinzip wie die ganz günstigen Microhelis ala PiccoZ von SilverLite. Durch dieses System hält sich der Hubschrauber stabil in der Luft.
Die unteren Rotorblätter werden mit der Taumelscheibe und 2 Servos angelenkt, damit kann der Hubschrauber gesteuert werden.
Eine gewisse Eigenheit ist auch die gedrehte Ansteuerung der Taumelscheibe. Die gesamte Steuerung ist dadurch um 45° gegen den Uhrzeiger verdreht.
Interessanter Weise macht sich dies nur bei schnellen Bewegungen bemerkbar, bei Schleichfahrt jedoch fast garnicht.

Erstflug indoor:
Zuerst Anleitung gut durchlesen....
Den Erstflug sollte man ohne Kabinenhaube durchführen um eventuell die Trimmung am Empfänger zu justieren, falls die Trimmung am Sender nicht ausreichen sollte.
Bei meinen ersten zaghaften Bewegungen am Gashebel testete ich die Steuerung am glatten Boden, wo sich der Kleine über den Boden schleppte, beim Auslassen der Hebel blieb er praktisch sofort stehen.
Dann die ersten Heber und dann auch schon in die Lüfte gegangen, aber mehr als einen Meter wagte ich noch nicht.
Im Prinzip hängt er in der Luft, aber er hat natürlich schon den Drang sich ein wenig davon zu machen, aber er ist kein unruhiger Kerl, vielmehr will er sich immer nur davon schleichen.
Man könnte ihn fast mit einem Luftballon vergleichen so ruhig verhällt er sich.
Und alles kein Problem, schon eine winzige Bewegung am Sender pfeift ihn zurück.
Die erste Akkuladung war gut überstanden, und in den nachfolgenden konnte ich ihn mehr und mehr sagen wo es lang geht.

Erstflug outdoor:
Eine schlechte Eigenschaft ist die Selbstüberschätzung, so zog mir ein Hauch von Windbewegung den Hubschrauber an den Terrassensessel welchen ich aus Mangel an Fähigkeiten nicht um- sondern hineinflog.
Ergebnis nach 30 Sekunden: Minus ein Rotorblatt. Also wieder ab ins Trainingslager nach Innen.
Nach gesammelten Fähigkeiten dann der richtige Flug im Freien.
Sehr schön ihn nicht innerhalb der Wände halten zu müssen, sondern mal schön auszufliegen.
Und genau dann merkt man auch schon das die Aufschrift INDOOR nicht zum Spass auf der Schachtel zu finden ist.
Zu schnelle Flugmanöver und Richtungsänderungen verträgt er nicht, auch auf Wind ist er nicht so gut zu sprechen.
Aber draussen macht es bei Windstille weit mehr Spass als drinnen.

Flugeigenschaften:
Die Akkulaufzeit beträgt etwa 11 Minuten, gemessen beim Schwebeflug im Haus.
Der Gyro leistet auch gute Arbeit, er lässt das Modell auch nach einer flotten Drehung einrasten wenn man den Steuerhebel neutral stellt.
Setzt man den Hubschrauber in Bewegung versucht die Stabilisierungsstange dies mit Hilfe des oberen Rotors wieder auszugleichen, dies wird daran erkennbar das eine gestartete Bewegung nach einigen Metern wieder etwas langsamer wird.
Nimmt man die Steuerung wieder zurück, dann macht er einen Satz zurück, da sich die Stabilisierungsstange während des Vorwärtsfluges ausgerichtet hat und beim neutralisieren nach hinten zeigt.
Dennoch kann man so überall und in jede Richtung herumfliegen, die Bewegungen wirken aber manchmal etwas schaumgebremst.
Und man sollte scharfe Manöver unterlassen, da es passieren kann das die beiden gegenläufigen Rotoren kollidieren = Absturz.
Also schnell vorwärtsfliegen und dann scharf bremsen kann tödlich sein.
Man sollte nur bei sehr leichten Wind draussen fliegen, schon kleinste Windbewegungen können den Hubschrauber geringfügig aus der Spur bringen, und zu grosse Windschübe können unter Umständen die Steuermöglichkeiten überfordern (auch die meinigen).
Beachtet man diese Regeln hat man auch im freien jede Menge Spass, und nach einiger Übung kann man durchaus mal die eine oder andere flotte Runde drehen, und die beruhigende Wirkung der Stabilisierungsstange etwas austricksen :-)

Wichtig:
Ich habe festgestellt das man nach einem Rotorblattwechsel die Rotorblätter wuchten sollte (Toleranzen). Das geht einfach da man die abmontierten Rotorblätter zusammenstecken kann und die Kugelköpfe genau in der Mitte liegen.
Auch die Stabilisierungsstange sollte man nach unsanften Berührungen wuchten, die Messinggewichte welche mit der Gummihaube ummantelt sind kann man ohne weiteres verschieben. Dadurch kann die Flugzeit reduzieren werden, da mehr Leistung von dem Motor notwendig ist.

Ersatzeile, Reparaturen und Tuning:
Der Kleine ist robuster als ich dachte, als er einmal aus fast 4 Meter Höhe zu Boden ging.
Der Heckausleger ging nur an der Aufprallstelle (seitlich) zu Bruch, und die Haube hatte einen Riss, Kleber sei Dank, er geht wieder.
Aber auch einige Rotorblätter und den oberen und unteren Rotorkopf habe ich bereits am Gewissen, aber in anbetracht meiner anfänglichen Künste eigentlich gut vertretbar.
Rotorblätter sollte man übrigens immer im Lager (2x 6 Stück = ca.45 Euro) haben und ein zweiter Akku ist auch praktisch, kostet etwa 20 Euro.
Ersatzteile bekommt man bei Graupner, BMI und auch JSB da auch teils baugleich mit Blade CX2. Bei Graupner bekommt man scheinbar nur mittelgrosse Ersatzeilsets statt Einzelteile, von BMI und eventuell auch JSB bekommt man fast alles Teilgenau. Aber man sollte aufpassen um welche Version es sich handelt, einige Teile sind versionsneutral andere wieder nicht.
Es kann durchaus sein das man nach einem grossen Crash mit den Graupnersets besser fährt, da sollte man dann überprüfen was billiger ist.
Tuningteile in Form von Aluteilen bieten auch alle an, jedoch scheinen diese von JSB fast die Hälfte im Vergleich zu Graupner zu kosten.
Es gibt die Taumelscheibe, den unteren Rotorkopf, die obere Lagerbuchse und den oberen Rotorkopf inkl. Stabilisierungsstangenhalterung, sogar ander Blatthalter auf die man dann einklappbare Rotorblätter montieren kann. Diese und bestimmt noch einige andere Teile sollen einen besseren Flug versprechen, habe mir diese aber bisher nicht leisten wollen. Zusätzlich bekommt man auch andere Rümpfe, so lässt sich aus dem 47G auch ein Jetranger oder Airwolf machen.
Einzig die obere Lagerbuchse werde ich mir wohl demnächst zulegen, da das momentane Kunststoffteil leicht unwuchtig ist, und für unnötige Vibrationen sorgt.
Weiters gibt es von Graupner auch ein Schwimmerset damit man im Wasser landen kann und ein Beleuchtungsset mit 3 LED's.
Mit dem kleinen Kreuzschraubendreher kann man alle Schrauben öffnen die es an dem Helikopter gibt, das ist praktisch.

Fazit:
Ein super Anfängerhelikopter der sich sehr ruhig verhält, und somit nach einiger Übung sicher im Wohnzimmer geflogen werden kann. Die Ersatzteilkosten halten sich grösstenteils im Rahmen, und mit Hilfe von diversen Tuningteilen kann man seinen 47G sowohl optisch als auch technisch aufwerten.



Text u. Bilder: Albert Kerkau

» Substance: pragmaMx » Style: Ahren Ahimsa